Asbab an-Nuzul: Die historische Methode als Tradition des Islam

Meine neue wissenschaftliche Arbeit auf DerOrient.com

Der Orient

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Vielerorts wird in Debatten die pauschalisierende Aussage, der Islam müsse noch eine “Aufklärung” durchmachen und benötige dringend einen “muslimischen Martin Luther” verkündet. Ob es angesichts der neosalafistischen Ideologie tatsächlich so sinnvoll ist, sich an jenem Luther zu orientieren, der in seinen “Judenschriften” einen radikalen Antijudaismus predigte, 1543 die Vertreibung der Juden aus den evangelischen Fürstentümern erreichen und sich gerade bezüglich der hebräischen Bibel stärker am Ur-Wortlaut orientieren wollte, sei einmal dahingestellt. Von seiner Haltung gegenüber Ketzern einmal ganz abzusehen.

In der islamischen Theologie gibt es vielmehr seit den frühesten Jahrhunderten islamischer Zeitrechnung eine Art “historisierende Methode”, die seit jeher ein fester Bestandteil der Koranexegese und Textauslegung ist. Diese asbab an-nuzul (dt. “Anlässe der Offenbarungen”) stellen die einzelnen Koranverse mithilfe von Überlieferungen in einen historischen Kontext, auf dessen Basis sich das Produkt der Auslegung oftmals grundlegend vom Wortlaut des jeweiligen Verses unterscheidet. Wäre es statt einem “muslimischen Luther” und einer “Aufklärung” daher…

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