Hohler Burka-Populismus

“Endlich mal etwas machen”. So wirkt für viele das neue Positionspapier der Berliner Erklärung, das von den CDU/CSU-Innenministern getragen wird. Darin werden sowohl ein Burka-Verbot, als auch ein Ende der doppelten Staatsbürgerschaft gefordert. In der emotionalen Debatte kann schnell der Eindruck entstehen, diese Innenminister würden “endlich einmal etwas gegen den Terror tun”.

Doch, es  geht ihnen nicht um eine wirksame Bekämpfung von extremistischem Islamismus, sondern darum, Emotionen in der Masse einzufangen und zu Wählerstimmen zu machen. Mehr nicht. Im Bereich der Deradikalisierungsarbeit und der Radikalisierungsprävention wissen wir, welche Hauptprobleme Jugendliche in die Arme der Extremisten treiben: Drogen- und Kriminalitätsprobleme, zerrüttete Familienverhältnisse plus Identitätskrise, Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen (ob nun echt oder nur wahrgenommen). Sicherlich gehört dazu nicht die doppelte Staatsbürgerschaft.

Auch die Burka ist in Deutschland kein relevantes Problem. Ich jedenfalls habe noch nie eine Burka hierzulande gesehen. Wenn überhaupt einen Niqab, aber unsere “Hüter von Recht und Ordnung” haben scheinbar so oberflächliches Wissen, dass sie diesen nicht von einer Burka unterscheiden können. Die meisten, der in Deutschland etwa 2000 Niqabträgerinnen, halten sich im Übrigen im Großraum München auf, kommen aus den Golfstaaten und befinden sich nur temporär zum Shoppen oder für medizinische Behandlung in Deutschland.

Dieser Populismus ist wirklich zum Verzweifeln, weil er zu nichts Gutem führen wird. Seit Jahren wird die Wichtigkeit von Präventionsarbeit und Deradikalisierung angemahnt, doch kaum ein Politiker interessierte sich dafür. Jetzt wachsen uns die Probleme über den Kopf. Mit diesem Populismus können Wählerstimmen rekrutiert werden, der Extremismus wird dadurch kein Stück weniger.

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3 thoughts on “Hohler Burka-Populismus

  1. Gabi says:

    “Doch, es geht ihnen nicht um eine wirksame Bekämpfung von extremistischem Islamismus, sondern darum, Emotionen in der Masse einzufangen und zu Wählerstimmen zu machen.”

    Tatsächlich?

    Fehlt nur noch die hohle Phrase von “Ängste instrumentalisieren”. Als ob man dann der SPD nicht dasselbe vorwerfen könnte rund um Ängste vor dem Verlust sozialier Errungenschaften. Oder der FDP Schreckenspropaganda rund um den Verlust unternehmerischer und individueller Freiheiten. Den Gewerkschaften die Sorge vor dem Wegschmelzen der Arbeitnehmerrechte.

    – Ein peinliches Argument in seiner nichtssagenden Beliebigkeit.

    Die Frage ist also eher, ob eine Angst berechtigt ist oder nicht.

    Ihnen begegnet nie eine Burka?

    Schön für Sie. Ich kann mir täglich eine Vollverschleierte ansehen. Burka zwar nicht (bzw. kaum mal). Aber mit schwarzer Gesichtsgaze, dass nicht einmal die Augen zu sehen sind und schwarzen Samthandschuhen allenthalben. Und ich spreche NICHT von derselben Person, sondern ich kann täglich eine Neue sehen; muss bloss bei mir in Wien ein paar hundert Meter in die Fussgängerzone (Fussgeherzone, heisst das hier) meines Bezirkes spazieren.

    … In welchem ich – by the way – bereits seit Jahren offenkundig salafistische Kindergärten bei ihren Ausflügen mit dem entsprechenden Begleitpersonal sehe. Von der Stadt gefördert, die sich gerade im Moment äusserst schwer tut, mit den aufgedeckten Missständen rund um “islamische” Kindergärten.

    Anstatt sich also bloss autotranquilizend vorzubeten, dass dies doch eigentlich vollkommen unbedeutend sei, scheint es mir höchste Zeit, sich ein paar Fragen zu stellen.

    Zum Beispiel:

    Wie stelle ich mir den künftigen gesellschaftlichen Wandel vor, welchen diese Personen damit anstreben?

    Bzw.: Was denken Sie, wird aus den Kindern, die den Kult der beständigen Segregation derart früh eingeimpft kriegen?

    Wer auch nur eine vollverschleierte Frau achselzuckend hin nimmt, scheint sich in keiner Weise bewusst zu sein, worauf unser Zusammenleben fusst. Also dass niemand davon faselt, dass Frauen durch irgend eine Form der Isolation “geschützt” werden müssten, sondern, dass sie dasselbe Recht auf Integrität geniessen, wie alle Individuen (impliziert, dass Frauen ohne Schleier und/oder ohne männliche Begleitung auch kein Freiwild, da nicht geschützt, sind!).

    Schlimmer aber scheint mir, dass diesen Wohlmeinenden offenbar noch nie der Gedanke gekommen ist, was ein simples Lächeln, z.B. einer Supermarktkassiererin gegenüber, bedeutet. … Und welche sozialen Fertigkeiten damit den Kindern dieser Gespenster vorenthalten werden; bzw. in welche kranke Umgangsformen die jüngsten Mitglieder der Gesellschaft – also ihre Zukunft – damit gezwungen werden. (vom Vorenthalten weiterer wichtiger Fertigkeiten, wie etwa schwimmen, ganz zu schweigen!)

    Wann genau ist denn der richtige Zeitpunkt, um sich zu sorgen?

    Wenn man sich offenbar beruhigt zurücklehnen kann, so lange man selber am Blogschreibtisch keine Vollverschleierte entdeckt, so schwingt dennoch in dieser Feststellung mit, dass es dann irgendwann, in ferner Zukunft schon mal einen Punkt geben müsste, wo ein vertieftes Reflektieren drüber aktueller werden könnte.

    Wann genau? Ab welchem Prozentsatz?

    Mir scheint, wir sind derart demokratiegesätigt, dass wir vergessen, dass es keineswegs erst gefährlich wird, wenn die Feinde der offenen Gesellschaft ein Mehrheitsstimme über 50% erlangen. Das hat doch der Aufstieg der NSDAP bestens bewiesen!

    Es genügt vollkommen, wenn eine Minderheit ihre Gewaltbereitschaft unmissverständlich zeigt, um den grossen Rest zum Weggucken zu bringen.

    Weggucken. Genau das, was die Befürworter der Vollverschleierung möchten. Und zwar in jedem Sinne des Wortes.

  2. Gabi says:

    http://www.servustv.com/at/Medien/Talk-im-Hangar-7174

    Eine der interessantesten Diskussionen zum Thema der letzten Jahre, mit aufschlussreichen Frontenbildungen der Diskutanten und einer Maske, die – aggressiv, stolz und vollkommen hemmungslos – fällt.

    Feine Schlussbemerkung von Seyran Ates zur Zunahme der Symbole des politischen Islam in der Öffentlichkeit; vierjährige Mädchen, die inzw. schon mit Kopftuch rumlaufen.

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