Nationalistisch-linke Querfront: Elsässer, Jebsen, Hörstel, Wimmer und die “alternativen Medien”

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Ken Jebsen beim rechtspopulistischen Compact-Magazin gemeinsam mit dem späteren Pegida-Redner Jürgen Elsässer

Der Afghanistan-Krieg ab 2001 und der US-amerikanische Überfall auf den Irak 2003 haben die Öffentlichkeit polarisiert. Verständlicherweise organisieren sich seitdem Friedensaktivisten gegen Imperialismus und Krieg. Da den sogenannten “Mainstreammedien”, welchen man eine “Gleichschaltung” unterstellt, häufig nicht mehr vertraut wird, schwenken viele auf “alternative Medien” wie NuoVisoTV, Kopp, Ken FM oder Compact um. Die Botschaft dieser ist einfach: Die anderen sind gleichgeschaltet und lügen, nur wir schreiben “die Wahrheit”. Doch zahlreiche dieser harmlos wirkenden “Friedensaktivisten” sind knallharte Ideologen und die Grenzen zwischen links und rechts verschwimmen immer mehr, wenn man sich die Kreise ansieht, in denen diese Aktivisten verkehren.

Jürgen Elsässer, Ken Jebsen und NuoVisoTV

Jürgen Elsässer ist ein prominentes Beispiel aus der einst linken Szene. Seine politisch-publizistische Karriere startete in den 1980er Jahren im Umfeld des Kommunistischen Bundes. Zudem machte er sich bei den linken Zeitschriften und Zeitungen konkret, Neues Deutschland, Jungle World und Junge Welt einen Namen. 2010 gründete er das Compact Magazin, dessen Compact-Magazin-GmbH er mit Abu Bakr Rieger, der bei einer Rede vor der radikal-islamistischen Kalifatsstaat-Bewegung 1993 betonte, dass die Wehrmacht “nicht gründlich genug gegen den gemeinsamen Feind (= die Juden) gekämpft habe”, herausgab. Nachdem sich Rieger seit 2014 nicht mehr bei Compact engagierte, bemühte sich Elsässer offen um einen Schulterschluss mit rechtsradikalen Kräften der Neuen Rechten. Seit November 2014 tritt Jürgen Elsässer bei Pegida auf, pflegt guten Kontakt zum völkisch-nationalistischen Ideologen Götz Kubitschek, der rechtsextremen Identitären Bewegung und den AfD-Rechtsaußen André Poggenburg und Björn Höcke. 2010 schrieb er im Compact Magazin, das Hauptübel seien „eliminatorische Zionisten und weltkriegsgeile Neokonservative“, jetzt warnt er vor der “Umvolkung” und der angeblichen “Islamisierung Europas”. (Vgl. “Der Schirmherr der völkischen Bewegung”, Correctiv.org)

Ken Jebsen hat in den “alternativen Medien” bereits Kultstatus. Er hat es verstanden, sich als Märtyrer eines Kampfes gegen mächtige Imperialisten in “den Medien” zu verkaufen. In einer geleakten E-Mail schrieb Jebsen die Zeilen

ich weis wer den holocaust als PR erfunden hat. der neffe freuds. bernays. in seinem buch propaganda schrieb er wie man solche kampagnen durchführt. goebbels hat das gelesen und umgesetzt. ich weis wer die rassendatten im NS reich möglich gemacht hat. IBM mit hollerithmachinen. ich weis wer wärend des gesamten krieges deutschland mit bombersprit versorgt hat.standartoil also rockefeller.” (Sic!, vgl. hier)

Zahlreiche Youtubevideos und Stellungnahmen Jebsens überzeugen viele Anhänger, spricht er ihnen doch mit einer (auch häufig meiner Meinung nach) berechtigten Brachialkritik an den internationalen Machenschaften der USA aus der Seele. Kritik prallt an ihm ab, oft sei sie Teil der “Verschwörung”, gegen die er kämpfe, für “die Wahrheit”.

Jebsen pflegte stets gute Kontakte zu oben genanntem Jürgen Elsässer, trat bei Veranstaltungen des rechtspopulistischen Compact Magazins noch 2013 auf, wohl wissend, dass dies zum damaligen Zeitpunkt von Abu Bakr Rieger, der sich positiv über die Vernichtungspolitik der Nazis gegen die Juden, geäußert hatte und dem Radikalen Elsässer, der vom “eliminatorischen Zionismus” als Hauptfeind sprach, herausgegeben wurde. Genannte Compact-Veranstaltung wurde vom “alternativen” Medium NuoVisoTV aufgenommen und veröffentlicht. Jebsen distanziert sich seit dem Aufkommen von Pegida von Elsässer, doch schon vorher arbeitete dieser mit der Neuen Rechten zusammen und war ein radikaler Kopf.

NuoVisoTV ist eines der berühmtesten “alternativen Medien”, welches antiimperialistisch und “US-kritisch” ausgerichtet ist, dabei aber keinerlei Berührungsängste mit dem rechtsextremen Milieu hat und rechtsradikale Journalisten für sich arbeiten lässt. Ein Beispiel wäre Michael Vogt, ehemaliger Honorarprofessor an der Universität Leipzig, der wegen eines geschichtsrevisionistischen Films über Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß entlassen wurde, den er 2004 gemeinsam mit dem späteren NPD-Politiker Olav Rose gedreht hatte. Jebsen hat kein Problem gemeinsam mit einem Andreas Popp aufzutreten, der den Schulterschluss mit ungarischen Nationalisten sucht. Jebsen ist regelmäßiger Redner bei der “Wir sind Deutschland”(WSD)-Bewegung in Bautzen und Plauen, die sich nach außen zwar “weder links noch rechts” verortet, deren Organisatoren aber vor der “Asylantenflut” warnen und Redner aus dem rechtspopulistischen Milieu und der AfD, wie zum Beispiel Gunter Wild (MdL Sachsen, AfD), einladen. WSD überschneidet sich personell mit der Partei Büso, einer antizionistischen Politsekte.

Daniele Ganser, Kopp,  Willy Wimmer und Christoph Hörstel

Auch der beliebte “linke Friedensaktivist” Daniele Ganser hat keinerlei Scheu vor Auftritten bei der “Wir sind Deutschland”-Bewegung. Ganser ist der wohl integerste und am wenigsten zwielichtig wirkende Aktivist aus diesem Milieu. Doch Abgrenzung lässt auch er vermissen, wenn er bei einer Bewegung auftritt, die sowohl die Anschläge des 11. Septembers als von der US-Regierung inszeniert bezeichnet und Rechtspopulisten ein Forum bietet.

Der Gründer des Kopp-Verlages, welcher vor allem mit verschwörungstheoretischen und islamfeindlichen Büchern Millionen verdient, ist ideologisch ebenfalls nicht als besonders gemäßigt anzusehen. Jochen Kopp verlegt in seinem Verlag Bücher aus den rechtsradikalen Verlagen Arndt, Ares oder Pour le Mérite. Auch verkauft Kopp selbst Bücher beim Deutsche-Stimme-Verlag der NPD. Der Kopp-Verlag befindet sich inzwischen im Fokus der Verfassungsschutzbehörden, da es dort Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen gebe. All dies ist kein Problem für das CDU-Urgestein Willy Wimmer, der wie Daniele Ganser und Ken Jebsen bei der “Wir sind Deutschland”-Bewegung spricht, sich dort zu engagieren, zu publizieren und bei Kopp-Veranstaltungen und –Interviews aufzutreten und bei der rechtspopulistischen Compact zu schreiben.

Christoph Hörstel, ein Journalist der ebenfalls “die Wahrheit” zu vertreten weiß, stammt ebenfalls aus diesem Mileu. Auch er trat bei von NuoVisoTV organisierten Podiumsdiskussionen mit Jürgen Elsässer auf. Das heißt zwar nicht, dass er die Meinungen eines Jürgen Elsässers teilt, doch scheint er zumindest mit den ideologischen Hintergründen von NuoVisoTV keine allzu großen Probleme zu haben. Beim al-Quds-Tag 2015 sagte Hörstel bezüglich Israel “Dieser Staat ist ein Un-Staat. Und wenn ein Staat ein Problem ist, dann kann er nicht Teil der Lösung sein” (vgl. hier). Hörstel arbeitet mit der radikalen jüdisch-orthodoxen Organisation Neturei Karta zusammen, die zum militanten und radikalen Teil antizionistischer Ultraorthodoxie zählen. Deren Antizionismus ist mitunter so fundamental, dass Neturei Karta mit der Hamas und dem iranischen Regime zusammenarbeitet und sogar bei einem Holocaust-Karikaturen-Wettbewerb im Iran anwesend war. (Vgl. hier und hier).

“Nicht links nicht rechts”: Friedensaktivisten oder Ideologen?

Die genannten Medien und Namen sind nur eine wichtige Auswahl aus einem nicht immer eindeutig beschreibbaren Milieu. Zwar distanzieren sich einzelne Aktivisten immer wieder voneinander, doch über Bürgerbewegungen, “alternative Medien” und “Wahrheitskongresse” hängen diese dann doch wieder irgendwie zusammen. Keiner dieser Publizisten und Aktivisten, die für sich beanspruchen, “die Wahrheit erkannt” zu haben und gegen eine böse imperiale Macht zu kämpfen, keiner von ihnen ist frei von aktiven Verbindungen in rechtsradikale bis rechtsextreme Milieus. Warum?Natürlich ist auch nicht jeder Antisemitismusvorwurf, der in politischen Debatten geäußert wird, richtig. Doch wenn jemand wie Ken Jebsen eine derartig böse, den Holocaust betreffende, E-Mail schreibt und gleichzeitig mit Aktivisten zusammenarbeit, die einen “eliminatorischen Zionismus” als das Hauptübel der Welt ausmachen, sollte man da als kritischer Geist nicht anfangen, kritisch über diese “Friedensaktivisten” zu denken? Fällt es nicht auf, dass diese Aktivisten immerzu von einer “Gleichschaltung der Mainstreammedien” sprechen, obwohl die deutsche Medienlandschaft bei der Rangliste der Pressefreiheit sehr weit vorn steht? Gleichzeitig werden von ihnen russische Staatsmedien wie Russia Today hofiert, wo die Pressefreiheit praktisch nicht gegeben ist. Darüber findet sich natürlich kein kritisches Wort. (Vgl. hier) Warum haben ALLE diese Aktivisten derart dubiose Verbindungen, wieso immer dieser Dunstkreis?

Wie häufig werden die “alternativen Medien” der gleichen Quellenkritik unterzogen wie die “Mainstreammedien”? Ist die Zusammenarbeit mit radikalen Antizionisten oder das Publizieren bei rechtsradikalen und rechtsextremen Verlagen “ein Fehler” oder muss man nicht doch davon ausgehen, dass gerade diese Fundamentalkritiker ganz genau wissen, was sie tun und in welchen Kreisen sie sich bewegen? Und sind nicht vielleicht gerade diejenigen, die davon sprechen, gegen “Manipulation durch den Mainstream” aufzustehen, die echten Manipulatoren, die sich dazu mit ihrer Literatur ganz zufällig eine goldene Nase verdienen? Es ist genau die Strategie dieses Milieus, mit berechtigter Kritik an US-Imperialismus an die linke Friedensbewegung und kritische Geister im bürgerlichen Milieu anzudocken. Eine Strategie, die verdammt gut aufgeht.

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3 thoughts on “Nationalistisch-linke Querfront: Elsässer, Jebsen, Hörstel, Wimmer und die “alternativen Medien”

  1. Herrmann Finkelsteen says:

    Diese Alternativen Medien werden bald Mainstreammedien, denn bald werden alle diese Journalisten auch für breitbart.com arbeiten, der jetzt nachdem Trump Präsident geworden ist, nach Europa expandiert. Die geistig – moralische Wende der Rechten aus den 80 er Jahre beginnt dieses Jahr. Danke Herr Schmidmeier für Ihren Blog!

  2. Hallo Fabian!

    Erstmal muss ich sagen, dass ich es natürlich auch wichtig finde, sich kritisch mit Medien und Journalisten auseinander zu setzen. Dein Artikel sollte davon aber auch nicht “verschont” bleiben. 😉

    Problematisch finde ich erstens die leichte Vermischung von klar selbst “rechten”, Fremden- / Juden- / Islamfeindlichen Typen wie Elsässer oder Popp und solchen, die sich gelegentlich “in ihrem Dunstkreis” aufhalten/ aufgehalten haben, selbst aber nicht diese Menschenfeindlichen Ansichten teilen sondern eher berechtigte (wenn auch nicht immer wirklich fundierte 😉 kritik an US-Imperialismus, Regierung und Medien äußern (meiner Ansicht nach sind das z.b. Jebsen und Ganser).
    Du hast selbst am Ende deines Artikels gefragt ob Auftritte bei Veranstaltungen die schon stark in die rechte und fremdenfeindliche Richtung gehen, ein Fehler ist. Leider ist die Frage jedoch rethorisch und du deutest darauf hin, dass die wahrscheinlich wissen was sie tun und insgeheim selbt dieses Gedankengut teilen. Dem würde ich widersprechen, da es durchaus eine legitime Strategie sein könnte, auf Veranstaltungen aufzutreten obwohl man die Ansichten der Veranstalter nicht teilt, z.b. um die Blase zu durchbrechen in der sich die Teilnehmer dieser Veranstaltungen schnell wiederfinden wenn diese vollständig gemieden werden. Die Idee könnte also auch sein, den rechten ein paar Leute “wegzuschnappen”, solange es noch möglich ist. Welche Hypothese letztendlich stimmt können wir leider nicht wissen, aber ich würde die Möglichkeit wenigstens berücksichtigen und nicht allzuschnell ein Urteil fällen.
    Mein zweiter Kritikpunkt bezieht sich auf die Quelle des angeblichen (?) Jebsen Zitats, da sie wiederrum keinerlei eigene Quelle angibt und nichtmal namentlich Jebsen erwähnt. Dass diese Email von ihm ist, kann man lediglich daraus ableiten, dass dort von Iranischen Wurzeln gesprochen wird. Darüber hinaus, selbst wenn dies tatsächlich die Handschrit Jebsens ist (was bei all diesen groben Rechtschreibfehlern schon etwas verwundert), könnte man den Satz über “den Holocaust als PR” so oder so interpretieren. Es liegt natürlich erstmal nahe, sofort an Holocaust-Leugnung und damit klar rechte Einstellung zu schließen, eine alternative Interpretation wäre jedoch, dass er damit meinte der Holocaust wäre von Zionistischen Juden als PR Maßnahme dazu eingesetzt worden, die öffentliche Meinung über Israels Politik zu manipulieren (der sog. “guilt-trip” ;). Das wäre durchaus denkbar und meiner Meinung nach auch kein Anzeichen von Anti-semitismus.
    Ich selbst habe Jebsen auch immer nur als Antisemit/Verschwörungstheoretiker kennengelernt und ihn deshalb bereits im vornherein abgeschrieben ohne mir selbst mal eine Sendung anzusehen. Tatsächlich ist er ein sehr exzentrischer Typ der definitiv bei einigen Fragen eher unfundierten Theorien anzuhängen scheint, generell muss ich jedoch sagen, dass er trotzdem (nach dem begrenzten Wissenstand den ich darüber habe) recht neutral argumentiert und sich nicht durch Feindlichkeit gegenüber Minderheiten auszeichnet sondern durch eine generell kritische Grundhaltung. Dazu gehört natürlich auch die klassische Einteilung des politischen Spektrums in rechts/links und die damit zusammengehörige Lagerbildung im Sinne eines “mit denen rede ich erst gar nicht”. Diese hat jedoch meiner Meinung nach auch ihre Tücken, und zwar eine Blasenbildung und den Verlust der möglichkeit unentschlossene und noch nicht radikalisierte dem “rechten” Spektrum wieder abzuluchsen. Vor dem Hintergrund lässt sich wie gesagt vielleicht auch deine Frage nach dem Aufenthalt alternativer Journalisten im rechten “Dunstkreis” erklären.

    LG! =)

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