Phoenix-Runde: “Gehört der Islam zu Deutschland?”

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Islam und Terrorismus: Was ist der Unterschied zwischen Religion und Extremismus?

 

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Der Sunnitische Gelehrte Muhammad al-Yaqoubi produzierte zahlreiche Bücher und Videobeiträge gegen den IS

Nach zahllosen Anschlägen extremistischer Terrorgruppen und jahrelanger Berichterstattung verbinden die meisten Menschen die Weltreligion Islam automatisch mit Szenen von Attentaten, Extremisten wie bin Laden, al-Qaida und dem IS. Viele sehen in der Religion die Ursache für die Gewalt und können den Satz „Das hat mit dem Islam nichts zu tun“ nicht mehr hören. Doch in welchem Verhältnis stehen Terrorismus und der Mainstream der islamischen Religion? (Der Artikel erschien zuerst auf derorient.com) Continue reading

Syrien: Wie konnte sich die Revolution radikalisieren? Teil 6 – Zwischen Regime und Dschihadisten: Christliche Milizen in Syrien

Der Orient

Logo_of_the_Syriac_Military_CouncilTeil 6 der Reihe Syrien: Wie konnte sich die Revolution radikalisieren? betrachtet einige christliche Milizen in Syrien, die sich entweder dem Regime, der Freien Syrischen Armee oder der syrischen PKK (YPG) angeschlossen haben. Der Artikel basiert auf Recherchen bis Ende März 2014 kurz vor dem rasanten Aufstieg des IS ab April, da die Reihe das Vorfeld des Erfolgs des IS beschreibt. Betrachtet werden nur Teilaspekte und eine Auswahl an militanten Organisationen, keine zivilen Oppositionellen oder Regimebefürworter. Auf die Frage, ob sich die Christen mehrheitlich regimenah oder regimekritisch positionieren wird aufgrund der hohen Komplexität und der Tatsache, dass eine Beantwortung dieser Frage nahezu unmöglich ist, verzichtet. Es soll lediglich ein Überblick über einzelne Positionierungen bis zu der Zeit kurz vor den Erfolgen des IS und den damit verbundenen Schwierigkeiten dargestellt werden.

Christenmilizen in der Freien Syrischen Armee

Trotz der Entwicklung in Richtung Krieg mit konfessionellem Charakter gab es immer wieder seitens oppositionell gesinnter…

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Kommentiert: Fatwa gegen Händchenhalten in der Türkei

Nach Artikeln im Spiegel und der Welt gibt es wieder Aufregung bezüglich der Türkei. Grund ist diesmal ein Fatwa der Religionsbehörde, wonach diese angeblich Paaren „verbieten“ würde zu flirten oder Händchen zu halten.

Was ist ein Fatwa?

Ein Fatwa ist ein islamisches Rechtsgutachten ohne jegliche rechtliche Bindung oder Rechtsrelevanz. Es handelt sich um eine islamisch-theologische Meinung, mehr nicht. Zuvor muss es zu konkreten religiös-ethischen Fragen in Auftrag gegeben worden sein. Für religiöse Menschen sollen Fatwas eine Anleitung zu einem gottgefälligen Leben darstellen. Fatwas sind aber durchaus sehr individuell, das heißt von Mufti zu Mufti (der die Fatwa ausstellt) unterscheiden sich diese teils erheblich. Es ist also die persönliche Entscheidung jedes Gläubigen einem Fatwa zu folgen, oder eben nicht.

Warum derartige „Empfehlungen“?

Nach islamischer Vorstellung ist außerehelicher Geschlechtsverkehr (Zina) eine schwere Sünde. Zina ist der vollzogene Geschlechtsakt. Dieses Thema wird im Koran ab Sure 24:2 ff. behandelt und beschrieben. Da Zina im islamischen Wertesystem eine schlimme Sünde ist, soll folglich das vermieden werden, was dazu führen könnte. Dadurch soll schlicht verhindert werden, dass zwei Menschen schwach werden und außerehelichen Sex haben. Im islamischen Recht nennt man dies sadd adh-dhara’i’ (dt. „Versperren der Mittel“), wonach bereits das verboten ist, was zu Verbotenem führt. Das wiederum wird in den unterschiedlichen Rechtsschulen aber sehr unterschiedlich interpretiert und weiter oder weniger weit gefasst. Die malikitische und die hanbalitische Rechtsschule, die in diesem Zusammenhang sehr auf die Absicht des Menschen (niya) schauen, gestehen dem „Versperren der Mittel“ eine breitere Anwendung zu. Die Schafiiten und die in der Türkei vorherrschende Rechtsschule der Hanafiten beschränken dies auf abstrakte oder konkrete Fälle, in denen mit Absicht oder hoher Wahrscheinlichkeit ein bestehendes Verbot umgangen werden soll. Im Falle dieses Fatwas der türkischen Religionsbehörde werden Dinge beschrieben, die zu vermeiden seien, da die konservativen Rechtsgelehrten der Ansicht sind, diese könnten zu außerehelichem Geschlechtsverkehr führen.

Verbietet das Fatwa in der Türkei Paaren Händchen zu halten?

Nein. Ein Fatwa ist in der Türkei auch nichts anderes als eine religiöse Empfehlung. In der Türkei gilt kein islamisches Recht. Erdogan ist faktisch seit 2003 an der Macht. Seither hat sich nichts an dieser Tatsache geändert. Dass eine Empfehlung keine interreligiöse Ehe einzugehen bei vielen Irritationen auslöst ist verständlich. Auch ich halte das für falsch. Aber es ist nur die Meinung ohnehin konservativer religiöser Menschen, ohne rechtliche Folgen. Derartiges finden wir auch hierzulande bei der katholischen oder der evangelischen Kirche. Interkonfessionelle Heirat ist auch dort nicht gänzlich unproblematisch. Bis weit in die 1960er Jahre wurden katholische Partner für eine Ehe mit Angehörigen der evangelischen Kirche exkommuniziert. Auch in der evangelischen Kirche wurde man konfessionell eingeschränkt. In einigen Landeskirchen durfte der Partner/die Partnerin nicht in den Kirchen-Gemeinderat.

Ein derartiges Fatwa, wie das der Diyanet, zu kritisieren halte ich für äußerst verständlich. Dass diese Moralvorstellungen sich auch problematisch äußern können, wenn zum Beispiel ein nichtmuslimischer Deutscher mit einer muslimischen türkischstämmigen Frau in Deutschland liiert sein möchte, da die Diyanet hierzulande über die Ditib einen enormen ethischen Einfluss ausübt, ist Fakt. Auch Fakt ist allerdings, dass dieses Fatwa nichts anderes ist als eine religiöse Meinung, kein rechtliches Verbot oder ein Gesetz von Sittenwächtern.

Vgl. hierzu: Rohe, Mathias: Das islamische Recht. Geschichte und Gegenwart, Beck: München 2009, S. 74ff.